Die Geschichte meiner Hose

Leute, ich muss euch was erzählen. Wie ihr wisst, habe ich ja lang bei Greenpeace gearbeitet. Ein aktueller Mitarbeiter – wir haben nie zusammengearbeitet, was ich recht schad find, der is nämlich leiwand – hat mir vor etwas über einem Jahr erzählt, dass er Kleidung mit Trackern ausstatten und an unterschiedlichen Stellen spenden möchte, um zu sehen, was damit passiert.

Das ist eine alte Jeans von mir. Ich muss sie mir vor etwa 15 Jahren gekauft haben, also noch vor meiner Shoppingdiät. Damals waren die der neue heiße Scheiß: Boyfriend Cut. Weit, hüftig, zerrissen – so zerrissen, dass ich selbst irgendwann mal die größten Löcher mit dünklerem Jeansstoff unterlegen musste. Ich liebte die Jeans, aber in den letzten Jahren trug ich sie kaum Noch. Zuerst, weil ich nimmer reinpasste (ich war während der Pandemie mehr so Team Sofa und weniger Team Wandern), danach, als ich wieder reinpasste, war sie mir irgendwie ungemütlich geworden und ich hatte sie kaum noch an.

Also beschloss ich, diese Hose für das Experiment zu spenden. Und es hatte noch einen Grund: Sie war aus 100 Prozent Baumwolle. Das bedeutet, dass sie nach heutigen Standards als eines der wenigen Post-Consumer-Kleidungsstücke recycelbar war. Abgegeben wurde die Hose bei H&M.

Die haben ja seit 2013 ein Spendenprogramm, das ich mehr oder weniger nicht so gut finde. Warum? Weil man kann zwar Kleidung aller Marken abgeben, aber 1. bekommt man dafür einen Einkaufsgutschein auf neue Teile, was ja den Überkonsum von Mode weiter antreibt, und 2. schreiben sie zwar toll, wie sehr sie sich ums Recycling bemühen, auf ihrer Website, aber weiß ichs genau? Nö!

Gesagt, getan: Unten in die Hose wurden Tracker eingenäht und ab ging die Reise. Mein Tipp war Spanien, dort stehen einige Anlagen für mechanisches Reycling. Weit gefehlt. Sie landete in …. Trommelwirbel …. Pakistan. In Karachi.

Zunächst dachte ich noch, spannend, grad in Karachi gibt es auch Recyclinganlagen für Baumwolle. Und zwar sogar nicht mal so kleine. Doch die Hose war an keiner dieser Adressen, sondern irgendwo auf einer großen Straße mitten in der Stadt, weit und breit keine textile Anlage in der Nähe.

Und irgendwann stoppten beide Tracker gleichzeitig. Wirklich genau gleichzeitig. So viel exakte Batterielaufzeit gibt es gar nicht, dass zwei Tracker so exakt gleichzeitig enden könnten. Nein, die Jeans wurde ziemlich sicher zerstört. Aber wie, wenn keine Recyclinganlage in der Nähe ist (die nächste ist 15km weit weg)? Greenpeace schätzt: Da ist ein Auto drüber gefahren. Zack und Ende.

Ich rekapituliere: H&M hat 2023 einen Skandal gehabt, wo aufgedeckt wurde, dass ihre Spendenware nicht sachgemäß entsorgt oder weiterverarbeitet wurde. Daraufhin haben sie ihren Kooperationspartner gewechselt. Mit dem neuen Partner sollte alles besser werden.

Mit dem neuen Partner wurde nichts besser. Meine Hose ist grad 8500 Kilometer weit gereist, damit dort auf einer staubigen Straße ein Auto drüber fährt. Toll. Hätt ich auf der B17 auch hinbekommen.

Es ist so unglaublich frustrierend, wie unpackbar intransparent die Branche ist – und sie erzählen uns das Blaue vom Himmel. Wenn nicht mal eine Jeans, die ganz eindeutig als eines der wenigen Post Consumer Produkte recycelt werden kann, das auch wird, wundert mich nix mehr. Dieser Markt ist so kaputt.

Mir tuts jetzt leid um die Hose. Das nächste Mal bring ich meine Sachen wieder direkt in einen Laden, wo sie dann weiterverkauft werden. Hier. Und nicht in Karachi.

Vielen Dank an Greenpeace, dass an diesem Experiment teilhaben durfte. Es war ein echter Augenöffner. Hier gehts zum gesamten Report (verlinken)

HIER hab ich in der Presse drüber geschrieben, und hier gibts mein Infovideo dazu:

Link zum Report auf Greenpeace.at

Alte Fotos von mir: (c) Bianca Kübler

Foto der Hose: (c) Greenpeace