Was für ein Jahr. Selten hab ich ein Jahr als so anstrengend empfunden. Weltweite Krisen und persönliche Dramen machen es schwer, mehr als ein „naja, war eh ok, ich kann im Jänner eh auch noch die Miete zahlen“ zu empfinden. Aber wenn ich mich mal wirklich hinsetz und mir anschau, was dieses Jahr eigentlich alles weitergegangen ist, dann war es sogar ein sehr erfolgreiches Jahr.
Im Jänner shoppte ich Fast Fashion für ein Projekt mit der Arbeiterkammer Oberösterreich, das mir sehr am Herzen lag. Immer wieder bekomme ich mit, dass Menschen allen Ernstes glauben, recyceltes Polyester sei „besser“ als neu Produziertes, Umweltverträglicher. Liebe Leute, das ist ein kompletter Irrglaube. Nicht nur, dass es sich bei recyceltem Polyester nicht um einen Stoff handelt, der aus altem Polyester hergestellt wird, sondern es wird immer aus Plastikflaschen gemacht. Das ist Downcycling und nicht Recycling, und aus den Flaschen können auch wieder Flaschen entstehen, was sehr viel sinnvoller wäre. Warum? Weil dann das Gröbste aller Probleme, das Polyester mit sich bringt, nicht entstehen kann: Mikroplastik in Massen. Und dass recyceltes Polyester genauso heftig fasert (wenn nicht sogar mehr, wie Studien nach unserer Untersuchung festgestellt haben), konnten wir durch Waschtests nachweisen:
Ich hatte 2025 wieder ganz wunderbare KooperationspartnerInnen wie zum Beispiel Bags with Legs – stylishe Taschen entstehen mitten im 7. Bezirk, genäht von migrantischen Frauen, deren erster Job in Österreich das ist. Sie bekommen durch die wunderbare Annamaria eine Chance auf Teilhabe am Arbeitsmarkt. Plus sind die Taschen so gut wie ausschließlich aus Bestandsmaterialien, also Resten von anderen Großproduktionen.
Oder auch das JMB Fashion Team, die letzte industrielle Näherei, in der seriell gearbeitet wird. Ob 10 Stück oder 500, kein Problem für die wunderbaren Frauen dort. Ich lege euch deren Instagram-Account sehr ans Herz!
Dann war noch ein persönliches Highlight, weil ichs einmal im Leben erleben wollte: Ich war beruflich am Wiener Opernball – und dabei trug ich das schönste Kleid der Welt, aus alten Häkeldeckerln upgecycelt von der wunderbaren Maria von der Wiener Konfektion:

Anfang Mai dann das Schlimmste, das dieses Jahr und überhaupt nur passieren konnte: Mein heißgeliebter Otto ging über die Regenbogenbrücke. Ich hatte ihn vor drei Jahren adoptiert, und ein Leben ohne mein furzendes Sofakissen war kaum noch vorstellbar. Mein Kuschelbub, mein völlig überzüchteter Schnarchbert, der mich jeden Tag mindestens einmal zu Lachen brachte, musste mit nur acht Jahren wegen Darmkrebs diese Welt verlassen. Für mich brach alles zusammen. Und ich vermisse ihn trotz allem, was danach kam, immer noch täglich. Der Bub war meine Seele.

Kurz danach hatte ich zum Glück Ablenkung und fuhr mit den besten Freundinnen auf Kurzurlaub – und missbrauchte sie gleich für meinen Lieblingskunden:
Zwei Wochen davor hatte mir Nora ein Posting vom Tierquartier geschickt: Vier Welpen waren mit nur einer Woche (!!! es macht mich immer noch wütend, wenn ich daran denke) ausgesetzt worden. Ich reagierte mit: Ich weiß nicht, wie groß die werden, es ist zu früh, ich schau erst im Herbst nach einem neuen Hund. Doch nur eine Woche später postete meine Tierärztin, die ich mehr als nur schätze – die Frau ist Dr. Doolittle in Person! -, dass sie die Welpen aufgenommen hatte zum Aufpäppeln. Ich schrieb ihr, sie meinte nur „hab schon gewartet, dass du dich meldest“, und ein paar Tage später trafen wir uns zum ersten Mal: Beppo und ich. Ich mein, schaut euch diese Nase an!!

Aber gut, weiter im beruflichen Programm: Ich schreibe – gemeinsam mit Goran Golik, einem der kreativsten Menschen, die ich kenne – an einem neuen Buch. Es wird ein Fachbuch, und wir erklären darin, was Greenwashing ist und wie man es vermeidet und trotzdem kreativ agieren kann. Die ersten Seiten des Buchs entstanden bei Goran und Barbara, die ein Haus in Ljubljana haben. Und ich bin schockverliebt in Slowenien. Was für ein schönes Land. Berge, Seen, in eineinhalb Stunden ist man am Meer in Kroatien, nach Triest braucht man sogar noch kürzer. Herrliche Tage waren das. Und dann hörte ich, dass Shein einen Pop Up Store etwa 40 Minuten entfernt eröffnet hatte. Musst ich sehen, und meine eh schon nicht hohen Erwartungen wurde sogar noch untertroffen.
Im September war es dann soweit. UPLIFT25, die Show auf der Vienna Fashion Week, fand wieder statt. Diesmal mit noch mehr Designerinnen und einer Neuerung: Es wurde nicht nur upgecycelt, sondern es wurden auch Stoffe aus heimischer Produktion verwendet, Tencel, Leinen, Wolle und Frottier! Herrlich war das! Mich macht es immer wieder stolz, so viele tolle DesignerInnen und ProduzentInnen vereinen zu können. Auch so kann faire Mode aussehen!
In der Zwischenzeit war Beppo übrigens bei mir eingezogen und überforderte mich massiv, aber es wurde von Tag zu Tag besser. Heute kann ich es mir ohne ihn nicht mehr vorstellen.

Unmittelbar nach der Fashion Week wurde dann das nächste große Baby 2025 präsentiert: Ich verkuppelte die Frottier-Designerin Ines Silva und Herka Frottier – weil es eh auf der Hand lag. Das Ergebnis waren die wohl schönsten Bomber der Welt:
Meine persönliche Entdeckung des Jahres ist Plu Feschn. Peter Plutsch macht Basics aus einem Stoff, der zu 99% in Österreich entsteht: Aus Wienerwald (und vielleicht ein bissl Tschechien, zugegeben) entsteht in Linz bei Lenzing die Faser, in Südtirol wird sie gesponnen, in Vorarlberg wird sie zu Jersey verstrickt und gefärbt, und in Melk wird dann genäht. Das Ergebnis sind Shirts, Hauben und Schals, die niemals ein Containerschiff oder einen Flieger von innen gesehen haben, und die noch dazu absolut herrliche Trageeigenschaften haben. Noch so ein Ding, das ich allen für 2026 mitgeben möchte: Checkt euch ein oder viele Teile von Plu Feschn.

(Hose: Anja Lauermann, Foto: Florentina Olareanu)
Im Herbst ging es dann auch wirklich Schlag auf Schlag: Erst Buch schreiben, dann die Show, dann die Kollektion von Herka und Ines, dann konnte ich mein neuestes Baby auf die Welt bringen: Dank der Wiener Wirtschaftsagentur konnte ich die erste Staffel eines Podcasts finanzieren:
Unter anderem hier könnt ihr ihn hören:
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Weitere InformationenZum Drüberstreuen startete ich dann noch einen Selbstversuch: Ein Monat komplett ohne Supermarkt. Ganz schaffte ich es nicht, weil ich verdammtnochmal keine Nüsse mehr zuhause hatte und sie für ein Rezept, das ich schon angefangen hatte, brauchte. Aber ich weiß jetzt: Es geht. Und ich werd nächstes Jahr auf sicher weiter bei Paradeisa bestellen und Mitglied bei Mila werden.
Und vor Weihnachten gab es dann noch zwei Aktionen, die ich mit meinen Kunden und meinen Schätzen von Volkshilfe und Caritas einfädeln durfte: Herka Frottier setzte die Aktion, dass für jedes bestickte Handtuch, das man bestellt, ein weiteres an eine Einrichtung der Caritas gespendet wird:
Und für die Volkshilfe Wien hatten die superen Leute von Breddys einfach die beste Aktion: Der komplett fair produzierte und recycelbare (!! ich hasse dieses Wort, weil es in den meisten Fällen einfach nicht stimmt, aber hier stimmt es komplett) Hoodie aus Tencel wurde nicht nur radikal verbilligt, sondern 10 Euro vom vergünstigten Preis gingen an die Volkshilfe Wien! Und ich hatte großen Spaß, Hoodies in meine Outfits einzubauen (hab ihn auch grad an, während ich das hier schreibe):
Davor, dazwischen und danach gab es auch noch jede Menge Höhepunkte, feine Kooperationen, Auftritte, Vorträge, Podiumsdiskussionen, hatte weiterhin meine wunderbare Kolumne in der Wiener Zeitung, die für mich Ventil und Denksport gleichzeitig ist, und unterrichten durfte ich auch ein paar Mal. Ich habe dieses Jahr als sehr anstrengend empfunden, aber gleichzeitig war es so unfassbar privilegiert. Ich machte einige Reisen, besuchte zum Beispiel meine Nichte in Madrid, ich hatte immer ein Dach über dem Kopf, musste nie frieren oder hungern, habe tolle Freunde, tolle Nachbarn und eine immer noch toller werdende Familie, wir wachsen im engen Kreis immer mehr zusammen.
Doch die Inflation und all die weltpolitischen Entwicklungen von drückte mir sehr auf die Stimmung. Nachhaltigkeitsziele wurden aufgeweicht, zwischen Krieg und Österreich befindet sich nur ein Land, und über die USA will ich nichtmal mehr nachdenken. Ich verdiente in diesem Jahr gut ein Viertel mehr als in meinem ersten selbstständigen Jahr 2021. Übrig blieb mir trotzdem nichts, die höheren Lebenskosten von Miete über Energie und Lebensmittel bis hin zu Versicherungen fraßen alles auf, und sowohl der Hund als auch mein Auto starben, was mich in beiden Fällen ein paar Fetzen kostete. Rücklagen? Fehlanzeige. Immer wieder überlegte ich, mir doch wieder eine Anstellung zu suchen, diese ständige Suche nach Projekten und Kooperationspartnern kostet schon verdammt viel Energie.
Aber bei all den Gedankenspielen lande ich immer wieder am gleichen Punkt: Ich liebe, was ich tue. Ich liebe die Selbstständigkeit. Ich kann selbst entscheiden, ob ich um sechs in der Früh aufwache und zu arbeiten beginne oder mich erst am Nachmittag hinsetze. Es gibt (viele) Tage, die randvoll sind mit Arbeit, und wo es gar nicht so leicht ist, alle Fäden in der Hand zu behalten, und es gibt manche Tage, da geht einfach nix und das ist dann auch nicht schlimm. Dieses Arbeiten, wo ich einerseits viel unterwegs bin und andererseits die Computerarbeit zuhaus am Sofa erledigen kann, ich würds momentan für nix in der Welt wieder hergeben wollen.
Danke an alle, die mit mir dieses Jahr gestaltet haben, an alle, die meine Arbeit unterstützen und natürlich an all die Menschen, die mein Leben so viel schöner machen! Und so freue ich mich aufs kommende Jahr, mit hoffentlich wieder vielen tollen Projekten im textilen und nachhaltigen Bereich! Vielleicht auch mit jemandem von euch? 😉